Michèle rezensiert: "Caraval" von Stephanie Garber


Michèle von 
rezensiert:
 

 
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. 
Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. 
Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ..
Meinung:

Caraval ist wieder so ein Buch, das mich etwas zwiegespalten zurückgelassen hat. Auf der einen Seite eine mega geile Story, auf der anderen denke ich mir so: „Hm, irgendwas fehlt... aber ich kann’s nicht benennen.“ Mir scheint, als wäre der Oktober mein anspruchsvoller Monat.
Aber von vorn:
Die Geschichte beginnt mit Briefen.
Briefe, die die junge Scarlett, um ihrer Schwester Willen, an den mysteriösen Spielmacher „Master Legend“ schreibt.
Alles was sie will ist: Caraval.
Ein Spiel, das in ihrer Welt - auf den eroberten Inseln - für Magie, Wünsche und Träume steht. Und auch Legend scheint sie zu faszinieren, aber nicht so sehr, wie ihre Schwester Donatella, kurz Tella.
Für sie würde Scarlett alles tun. Doch das Problem an diesen mysteriösen Dingen ist nun mal, dass sie geheimnisvoll und unergründlich sind. Es dauert sieben Jahre bis Scarlett etwas von Legend hört.
Er lädt sie und Tella, sowie eine dritte Person zum Spielen ein.
Doch mittlerweile ist Scarletts größter Wunsch eigentlich nur noch, einen Mann zu heiraten, den sie nicht kennt, um ihrem gewalttätigen Vater zu entkommen. Doch sie unterschätzt Tellas Einfallsreichtum und landet zusammen mit dem augenscheinlichen Seemann Julian, der sie im Auftrag ihrer Schwester entführte, mitten in Caraval.
Mögen die Spiele beginnen...

Die Welt, die die Autorin hier geschaffen hat, ist wirklich bemerkenswert.
Farbenfroh und zugleich grau in grau.
Magisch und berauschend, aber auch rätselhaft und undurchschaubar.
Ich hatte wirklich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl zu wissen, worauf es hinausläuft.
Einerseits schätze ich das ja sehr an Büchern: Unerwartete Wendungen, verschlüsselte Botschaften, die man selber deuten muss und all diese Dinge. Allerdings muss ich hier erkennen und zugeben, dass es mir ein wenig zu viel war. Ich hatte wirklich keine Ahnung und das hat mich doch irgendwie gestört. Die ganze Aufmachung der Story ist klar strukturiert und gleichzeitig etwas wirr.
Schwierig zu beschreiben, aber wenn man nicht mehr weiß, was man eigentlich noch glauben soll, lässt die Faszination nach, egal wie gut der Rest der Geschichte sein mag. Und dieser Rest ist wirklich gut. Vor allem gefallen hat mir Scarletts Entwicklung. Man lernt sie als verschlossenes, introvertiert und konservatives Mädel kennen, das noch nie einen Jungen geküsst hat und mit ihren Gefühlen nicht umgehen kann, weil sie Angst vor der Bestrafung ihres Vaters hat. Im Laufe der Geschichte oder vielmehr des Spiels entwickelt sie sich dann jedoch zu einer mutigen, neugierigen jungen Frau, die auch mal Risiken eingehen kann und mehr und mehr ihre eigene Meinung hat und auch durchsetzt.
Ging sie mir am Anfang noch auf den Keks, so mochte ich sie am Ende viel lieber als ihre Schwester Donatella, die ursprünglich die Rebellin von beiden war.

Die anderen Charaktere sind ebenfalls sehr gut gelungen, wobei ich mir eine Auflösung des Rätsels um Legend gewünscht hätte.
Man erfährt einiges über seine Hintergrundgeschichte und warum er geworden ist, wie er ist, aber so richtig zufrieden gestellt hat mich das nicht. Die Rolle von Julian fand ich als einzige besonders gut gelungen und von vorne bis hinten authentisch. Ein Mann, wie er im Buche steht. Gerissen, loyal, ein bisschen verrückt - sehr anziehend, nur zu empfehlen.

Zum Spiel um Caraval selbst möchte ich gar nicht so viel sagen, das müsst ihr persönlich erleben.
Nur ein guter Tipp:
Nichts ist, wie es scheint. Jedes Wort kann eine Lüge sein und jede Lüge der Wahrheit entsprechen.
Verwirrt? War ich auch

.
Fazit:

Caraval ist ein berauschendes Spiel von dem man so schnell nicht loskommt.
Durch die undurchsichtigen Taten und Machenschaften der Darsteller weiß man zu keinem Zeitpunkt was wirklich los ist - das ist zwar aufregend, aber zeitgleich auch sehr anstregend.
Die teilweise sehr tiefgründige Story dahinter geht ans Herz, man kann jederzeit mit Scarlett mitfiebern und um das Leben ihrer Schwester bangen.

Für ein paar ungeklärte Umstände und die kleinen, aber wirren Zustände mit der dennoch wundervollen Geschichte, vergebe ich 4 von 5 Suchti-Sterne.

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Buchinfos


Stephanie Garber
"Caraval"
Teil 1 von ?
Genre: Fantasy
Broschiert 14,99 €
eBook 12,99 €
400 Seiten Printausgabe
Herausgeber: Piper Verlag/ivi
Erscheinungsdatum: 20. März 2017
Ab 14 Jahren empfohlen

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