Michèle rezensiert: Opfermond von Elea Brandt

Michèle von 
rezensiert:



In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. 
Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. 
Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt ...

Meinung

Bereits als mich die Autorin anschrieb und von ihrem Debüt berichtete, fand ich die Kombination aus Fantasy und Thriller genial.
Opfermond klingt düster, brutal und berauschend.
Man begleitet hauptsächlich den Auftragsmörder Varek sin Thoruk und die rebellische, nach Freiheit strebende Hure Idra durch die Gassen von Ghor-el-Chras. Und auch wenn ich nicht wirklich Fan von der Namensgebung bin, weil mir das alles zu altertümlich und fernöstlich und fremd klingt, so muss ich für das Setting doch ein großes Lob aussprechen.
Für ein Debüt ist ihr das nämlich fantastisch gelungen.
Ghor-el-Chras kann man grob in drei Teile spalten, wie das bei den meisten Städten mit enormer Wohlstandsdifferenz so ist.
Im Sha-Amin leben die Schönen, die Mächtigen und Reichen.
Das Sha-Nuri beherbergt die Mittelschicht, die Söldner, Schenkenwirte, Alchemisten und andere.
Und im äußeren Ring, dem Sha-Quai regiert die Gewalt.
Hier legt man keinen Wert auf Moral, hier gilt das Gesetz des Stärkeren.
Hier leben die Huren, die Armen und solche, die keine Perspektive haben.
Idra hat im Sha-Quai kein leichtes Leben, muss sich dem Willen aller Männer beugen, hat keine Freunde und keine wirkliche Lebensfreude, bis sie eines Tages einen Mord beobachtet.
Ungewollt wird sie in ein Netz aus Intrigen, Vergiftungen und kulturellen Opfern gezogen, aus dem sie nur schwerlich wieder herauskommt.
Varek hingegen lebt ein angenehmes Leben, wenn auch kein erfülltes. Er verabscheut die Arbeit als Killer, ist jedoch durch Schwur an den Blutigen Gott gebunden, den einzigen, der in Ghor-el-Chras verehrt werden darf.
Seine vergangenen Altlasten lässt er durch Drogenkonsum verpuffen und macht seinen Job ohne Skrupel, aber mit jeder Menge Reue, die er sich nicht leisten darf.
Die Wege der beiden treffen sich erst ungefähr ab der Hälfte, also auf halbem Weg der Ermittlungen, aber auch bis dorthin ist es recht spannend zu verfolgen.
Der Schreibstil der Autorin ist nichts für schwache Nerven.
In „Opfermond“ wird gefickt, ausgeweidet, rangenommen, Blut geleckt - sie malt Bilder von aufgedunsenen Leichen, lässt einen wahren Blutregen entstehen und aus jeder Seite dringt der Geruch von Tod, Schweiß und Gewalt.
Sie beschönigt nichts und das macht die Geschichte regelrecht greifbar.
Man spürt die Armut und fühlt sich irgendwie rückversetzt ins Mittelalter. Ganz ohne Technik, dorthin, wo Alechmisten noch hoch angesehen sind und Huren ganz unten in der Nahrungskette stehen.
An einen Ort, wo Zwangsheirat noch erlaubt ist und die Familienehre über alles geht.
Die Atmosphäre des Buches strahlt pure Dunkelheit aus.
Es gibt zwar Lichtblicke, ein wenig Wärme, aber die ist spärlich gestreut.
Und das ist der Punkt, der mich ein wenig gestört hat.
Varek und Idra sind zwei toll ausgearbeitete Charaktere und Idra kann ich noch mehr nachvollziehen als Varek, denn sie hat klare Prinzipien, die sie auch verfolgt. Sie zeigt mehr Emotionen und hat mich eher erreicht als der eigentliche Protagonist.
Varek fühlt ebenfalls, aber erreicht hat es mich nicht ganz - die Kluft, die durch seine Geschichte geschaffen wurde, war zu groß, als das er sie überwinden konnte.
Nichtsdestotrotz hat das Ganze etwas.
Ich war auf morbide Art und Weise von der Welt fasziniert, die Elea hier geschaffen hat.
Neben den typischen Thrillerelementen, die das Buch dominieren, findet man auch einen kleinen Fantasyanteil darin - Magie, die Totenwelt, Geister und Rachegötter, die Vernichtung mit sich bringen.
Spannend war es deshalb, weil man natürlich wissen wollte, wer den reichen Schnösel ermordet hat, wer hinter dem dunklen Kult rund ums Skarabäusamulett steht und wie das Ganze aus geht.
So ganz gepackt hat es mich jedoch nicht, wenn auch am Schluss eine unerwartete Wendung eintritt, etwas, das ich normalerweise liebe.

Fazit:

Mit „Opfermond“ hat die Autorin einen dunklen, atmosphärisch ansprechenden Thriller geschaffen, der durch Bildhaftigkeit besticht und mit viel Dreck, Spannung und vor allem Charaktertiefe auftrumpft.
Wer mittelalterliche Umstände und Settings liebt, gern Rätsel entschlüsselt und auf große Emotionen verzichten kann, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.
Mir fehlten allerdings noch ein paar Kleinigkeiten, ich stand nur mit einer Hälfte in der Welt Ghor-el-Chras und vergebe deshalb gute 4 von 5 Suchti-Sterne.


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Buchinfos

 
Elea Brandt
"Opfermond"
Genre: Fantasy/Thriller
Taschenbuch: 13,95 €
eBook: 9,99 €
330 Seiten Printausgabe
Erscheinungsdatum: Oktober 2017
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