Michèle rezensiert: Nachtbeben von Jenna Strack

Michèle von 


rezensiert:



Emma steckt mitten im turbulenten englischen Studentenleben, als sich ihr vermeintlicher Freund eines Nachts an ihr vergreift. Plötzlich ist alles anders. 
Nach außen hin gibt sie sich beherrscht, doch in ihrem Inneren wüten die Folgen dieser traumatischen Erfahrung. Albträume, Flashbacks und panische Angst machen ihren Alltag in der Uni zur Qual und drohen, ihr Studium zu gefährden. Als dann auch noch ein neuer Student namens Kieran auftaucht, scheint das Chaos in Emmas Kopf perfekt. Sie kann nicht mehr aufhören, an ihn zu denken. 
Dabei ahnt sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt ...
Meinung

Nachtbeben ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Beispiel dafür, wie viel Kaufpotenzial in einem schönen Cover liegt.
Denn das war natürlich mit einer der Gründe, warum ich es mir zugelegt habe, zumal ich auch nirgendwo etwas von Fantasyaspekten gelesen hatte und das Buch somit in eine Kategorie fiel, die ich nicht so oft lese. Man steigt mit einem Flashback Emmas in die Geschichte ein, der die Ursache für alles weitere zu sein scheint. Emmas Leben verläuft im ersten Drittel des Buches ziemlich unspektakulär.
Reichlich langweilig. Es wird kaum Spannung aufgebaut, man erfährt nur Dinge aus ihrem Alltagstrott als Psychologiestudentin mit Traumaerfahrung.
Ja, das ist ein ernstes Thema und ich will hier wirklich nichts abwerten, aber die Beschreibungen der Autorin wirkten auf mich farblos und trist, was sich leider auch durch den Rest der Geschichte zieht.
Irgendwann taucht der ominöse Kieran auf, der mich nicht so in den Bann ziehen konnte, wie ich es mir erhofft hatte und ab da nehmen die Dinge ihren Lauf, wenn auch nicht in die Richtung, die ich eingeschlagen würde...

Ernsthaft, ich wollte Action, Flucht und von mir aus auch Brutalität, die man dann zusammen mit der Protagonistin verarbeiten kann. Doch ich bekam leider nur eine mittelmäßige, seichte Story, die nicht wirklich voranzuschreiten schien. Ich muss auch zugeben, bereits ab der Hälfte begann ich Zeilen zu überspringen, um möglichst schnell zu einem spannenderen Part zu kommen... der aber auf sich warten ließ und dann auch sehr kurz ausfiel.
Während die Protagonistin Emma bis kurz vor dem Ende auf dem Schlauch steht und nicht zu begreifen scheint, was um sie herum passiert und warum es passiert, wusste ich bereits zum Zeitpunkt, an dem das erste Mal das Wort "Gwathar" fällt, was da noch so kommen wird. Das ist mit das größte Manko der Geschichte. Ich fand sie absolut vorhersehbar. Man kann nicht mit der Protagonistin mitfiebern, weil man sich nicht in sie hineinversetzen kann.
Emma wirkt durch ihre anfänglichen Ängste unnahbar (was ja auch so sein sollte), aber dadurch kann man halt keine Beziehung zu ihr aufbauen, selbst als sie beginnt aufzutauen.

Was die Grundidee der Geschichte angeht, so ist es der Autorin gelungen mich ein klein wenig zu überraschen und in die schottische Welt der Mythen und Sagen zu entführen.
Nichtsdestotrotz wiegen der minimale Fantasyanteil und die neuartigen Wesen, die erst fast zum Schluss auftauchen, den Rest der extrem langatmigen Story nicht auf.


Fazit: 

Auch auf die Gefahr hin hierfür gesteinigt zu werden, so komme ich nicht umhin, dem Buch diese Bewertung zu verpassen.
Nachtbeben ist hauptsächlich ein Roman, der mit Problemverarbeitung auftrumpft.
Das Thema Traumabewältigung hat die Autorin hier hervorragend recherchiert, nur halt leider nicht gut in Szene gesetzt. Das gleiche gilt für den Rest des Buches. Der Fantasyanteil, der die Story minimal reizvoll macht ist viel zu kurz und die Protagonistin zu naiv, um wirklich Spannung und Schwung in den Verlauf zu bringen. Dennoch beeindruckt mich die Idee der Wesen und ich finde auch den Schreibstil einigermaßen gut zu lesen.
Eine Leseempfehlung geht an all jene, die sich für Psychologie begeistern können, Geduld haben, die sich gern intensiv mit Umgebungsbeschreibungen und Beziehungsanalyse beschäftigen und denen ein-zwei brutale Szenen nichts ausmachen.

Für eine interessante Idee, aber kaum ausgeschöpftem Potenzial bei der Umsetzung vergebe ich gerade so noch 3 von 5 Suchti-Sternen.
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Buchinfos



Jenna Strack
"Nachtbeben"
Einzelband
Genre: Fantasy/Roman
480 Seiten Printausgabe
Taschenbuch: 16,70 €
eBook: 3,99 €
Erscheinungsdatum: Juli 2016
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