Michèle rezensiert: "Rabenaas" von Sarah Adler


Michèle von 
rezensiert:




Wo der Himmel schwarz ist, finden wir ihn.

Eine Banshee. Eine Hexe. Ein Seuchenbringer. Ein Wer-Stier. Eine Vampirin. Ein Cowboy. Eine Anti-Sphinx. Ein Teenager. Und ein Rabe.
Dreitausend Jahre in der Zukunft sucht man nach Antworten in der Dunkelheit. Denn irgendwo in der Unendlichkeit des Universums lauert der meistgesuchte Dieb, Meuchelmörder und Betrüger seiner Generation und das seit über siebenhundertsiebenunddreißig Jahren. 
Zeit, das zu ändern, findet der Cowboy, und trommelt die aberwitzigste Truppe Kopfgeldjäger zusammen, die man sich vorstellen kann. Es warten Ruhm und Geld. 
Es wartet eine Reise voller fremder Sterne, Intrigen, Weltraumpiraten, atemberaubender Kämpfe und Drachen mit Sonnenbrillen.
Und es wartet eine Jagd auf Leben und Tod.
Denn Corax ist gefährlich. Corax kennt keine Gnade. 
Und Corax wird nicht davor zurückschrecken, erneut zum Mörder zu werden. 
Oder?
Meinung

Wer Sarahs Debüt Knochenjob! gelesen hat, der weiß, wie speziell ihr Schreibstil ist.
Für alle, die es nicht wissen, habe ich hier zu Anfang mal ein Beispiel:

"Geschlossen (auch für Lebensformen, die telepathisch dazu imstande sind, Türen zu öffnen. Bitte unterlassen Sie dies. Mentale Schlossknackerei ist laut Paragraph 935 StGG seit vier Jahren verboten, und wir würden nur ungern unseren Zentauren auf Sie loslassen)."
(Seite 9)

Ihr seht, die Autorin hat schon zu Beginn einen - für mich - wunderbar abstrakten Humor. Die Sätze in Rabenaas sind zwar nicht so lang und verschachtelt, wie in Knochenjob, doch in Aufbau und Struktur ähneln sie sich sehr. Und das macht Sarah Adler so einzigartig.
Bis jetzt hat sie zwei Bücher auf dem Markt. Sie ist bisher die einzige Autorin, von der ich sagen würde, dass ich ihren Stil unter tausenden wiedererkennen würde. Und das will schon was heißen. Wie bereits schon erwähnt, den Schreibstil muss man mögen. Zum Glück tue ich das.
Bevor ich gleich ein wenig auf die Charaktere und den Inhalt eingehe, muss ich noch loswerden, dass mir selten eine Autorin mit einem so extrem großen Wortschatz untergekommen ist.
Sie könnte damit gefühlt ein dutzend Duden füllen und noch drei Dutzend weitere mit ihren Wortschöpfungen neu schreiben. Es ist wirklich unglaublich wie viel Fantasie in ihrem Kopf steckt und wie viel sie davon in ihre Bücher fließen lässt.
Rabenaas selbst ist aus einer allwissenden Erzählperspektive geschrieben, die Kapitel wechseln zwischen den Protagonisten hin und her und vor allem die Kapitelüberschriften sind einfach köstlich.

"Hier muss eine Banshee dringend Prioritäten setzen, ein Mädchen ist ein Geist und leicht zu beleidigende menschliche Leser schauen auf Seite 35 besser weg."
(Seite 29)

Inhalt und Größe der Welten, die die Autorin erschafft, reichen an die Planetensysteme von Kernstaub oder Weltasche von Marie Graßhoff heran. Wobei es sich in Rabenaas definitiv eher um die Jagd dreht, als um die einzelnen Welten und Bewohnbarkeiten.
Wie der Klappentext schon sagt, dreht sich Rabenaas um eine aberwitzige Truppe von Kopfgeldjägern, deren Anführer Carl, der Cowboy, schon seit Jahrhunderten, den Raben Corax jagt. Warum er Corax tot sehen will, ist klar erkennbar, denn man bekommt als Leser auch Einblick in seine Gedankengänge.
Im ersten Moment ist er klein, niedlich und keksbesessen und im anderen sind Leute gestorben, Tiere zerfetzt und Dinge gestohlen, nur weil Corax nicht bekam, was er verlangte. (Das ist ein Mysterium, das es später noch zu lösen gilt.)
Die Reise gestaltet sich schwierig, die Truppe trifft auf altehrwürdige Drachen, wird von Weltraumpiraten durchs All verfolgt, legt sich mit Glühpilzen an, findet Unterschlupf bei einem Biber auf einem Planeten, wo es Diamanten regnet, wird getrennt und gefangen genommen und befreit und das mit dem genialsten Unterton, den witzigsten Vorfällen und dem durchgeknalltesten Thema, von dem ich seit langem gelesen habe.

"Tja", sagte sie nüchtern. "So ist das eben mit Grobianen. Manchmal reicht es nicht aus, sie in den Arm zu nehmen und zu kuscheln. Manchmal muss man sie eben erst einmal anbrüllen, bevor sie sich zu benehmen wissen."
(Seite 322)

Die Protagonisten sind schlicht und ergreifend verrückt. Verrückt, aber liebenswert alle miteinander. Viel mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen, das müsst ihr einfach selbst erleben.

Fazit: 

Rabenaas ist fulminant.
Mit ihrem wort- und bildgewaltigen Stil schafft die Autorin kuriose Welten, die mich als Leser einnehmen und deren Geschehnisse ich immer mit einem lachenden & einem weinenden Auge verfolge.
Gefühle stehen hinter Humor, Spannung und Action in der Schlange, aber so viele tiefgreifende Emotionen hat dieses Buch auch gar nicht nötig.
Die Charaktere sind auch so überzeugend und authentisch auf der ganzen Linie.
Meine Lieblinge bleiben Mirembre Freitag, Sia und Luo Allkind - doch die anderen haben ebenfalls ihre eigenen lesenswerten Geschichten.
Für alle, die neue Universen entdecken und sich auf eine Reise ins Ungewisse begeben wollen.
Aber Vorsicht: Schreibstil und Humor sind nicht für jeden genießbar. 

Ich vergebe 5 von 5 Suchti-Sterne und ein#Monatshighlight.

P.S. Für einen Lacher zu Beginn des Buches, einfach mal den letzten Begriff, auf der fast letzten Seite aus dem Glossar zuerst lesen. 


Buchinfos


Sarah Adler
"Rabenaas"
Einzelband
Genre: Fantasy
Taschenbuch: 14,90 €
eBook: 4,99 €
376 Seiten Printausgabe
Herausgeber: Drachenmond Verlag
Erscheinungsdatum: 8.Juli 2017

Kommentare:

Honest Magpie hat gesagt…

Also, die Story würde mich ja schon interessieren, aber mich schreckt der auktoriale Erzählstil etwas ab, mit dem hatte ich in der Vergangenheit so meine Probleme...
Vielleicht geb ich dem Buch aber trotzdem eine Chance... neugierig bin ich auf jeden Fall :)

Danke für die Rezension!

Selection Books hat gesagt…

Huhu,

das Buch ist direkt mal auf meine Wunschliste gewandert! Danke für deine tolle Rezension, die übrigens ganz wunderbar geschrieben ist ❤️

Liebe Grüße
Nadine

Der Duft von Büchern und Kaffee hat gesagt…

Man liest aus der Rezension richtig deine Begeisterung für den Schreibstil der Autorin raus. Ich muss sagen: Du hattest mich schon mit dem ersten Buchzitat. Eigentlich war es schon die Beschreibung der unterschiedlichen Charaktere. Das hört sich nach einem etwas anderen und verdammt guten Fantasyroman an. - Gefällt mir sehr :o)

Ganz liebe Grüße
Tanja :o)